Zürichsee-Zeitung: Im Juni bestimmen die Bürger, ob Schmerikon, Uznach, Kaltbrunn und Benken den nächsten Schritt in Richtung Fusion gehen. Doch wie ist die momentane Stimmung in der Bevölkerung? Die «ZSZ» hat sich bei Kennern der Gemeinden umgehört. Werner Zahner, Präsident der Ortsgemeinde Kaltbrunn, fällt es schwer, die Stimmung in Kaltbrunn zur Fusion zu beschreiben. «Man hört beides, pro und kontra.» Insgesamt könne er deshalb nicht abschätzen, in welche Richtung das Pendel an der Grundsatzabstimmung im Juni ausschlagen wird. Zahner ist sich aber sicher, dass es schwieriger wird als in Gommiswald oder Eschenbach. Dort hätten die kleineren Gemeinden eindeutig von der Fusion profitiert. Da man momentan wenig Fakten kenne, dominierten vor allem die Gefühle, sagt er. Dazu beigetragen hat auch die SVP-Ortspartei, die schon seit Anfang Jahr Stimmung gegen die Fusion macht. Im Moment wirbt sie mit «Fusion nein danke!»-Aufklebern gegen die Vereinigung. Schon mehrere Hundert Sticker wurden verteilt. Werner Zahner glaubt deshalb, dass es schwierig werden könnte mit der Prüfung der Fusion. «Wenn es ein Ja gibt, dann ein knappes.»
Persönlich spricht sich Zahner aber klar für weitere Abklärungen aus. «Im Moment hat es schlicht zu wenig Fleisch am Knochen.» Ausserdem seien viele Ängste unbegründet. Das Vereinsleben zum Beispiel, das einige bedroht sehen, werde genau gleich funktionieren wie zuvor, ist er überzeugt. «Das ist schliesslich eine der Stärken unseres Dorfes.»
Die Angst, abgewertet zu werden
«Die Uzner haben die Nase zu hoch oben.» An diesen alten Spruch, den man in Schmerikon für seine östlichen Nachbarn gebrauchte, erinnert sich Anton Bischof, wenn er über die Fusion sinniert. Für alteingesessene Schmerkner sei diese Wendung auch heute noch aktuell. Der Vizepräsident der SVP-Ortspartei, der selbst schon seit 26 Jahren im Seedorf lebt, ist deshalb der Meinung: «Die Stimmung in der Bevölkerung ist eindeutig gegen eine Fusion.»
Die Verunsicherung über die Zukunft, das Neue und Ungewisse spielt dabei eine bedeutende Rolle. «Die Leute befürchten, die Poststelle könnte verschwinden, oder der Bahnhof verliere an Bedeutung.» Am wichtigsten sei aber die Angst, neben dem Regionalzentrum Uznach abgewertet zu werden. «Man fragt sich, ob das Seedorf zum blossen Weiler von Uznach würde.»
So etwas wie eine Fusions-Euphorie spürt Bischof in seiner Gemeinde nicht. Obwohl die Ortschaften zusammengewachsen seien, fehle das Gemeinschaftsgefühl. Und gleichzeitig trauerten viele noch der Absage aus Rapperswil-Jona nach, das vom Schmerkner Gemeinderat ebenfalls als Fusionspartner angefragt worden ist. Auch Bischof meint: «Eine Fusion am See wäre schon schön gewesen.» Der Tanz der Gemeinde auf zwei Hochzeiten habe aber auch nicht gerade zu einer guten Fusions-Stimmung beigetragen.
Bischof fällt es leicht, eine Prognose für die Grundsatzabstimmung zu stellen: «Ich sehe schwarz für die Fusion.» Den einzelnen Gemeinden gehe es auch alleine ziemlich gut. Umstimmen könne man die Leute also nur mit finanziellen Anreizen. «Mit Speck fängt man Mäuse.»
Negative Voten eher hörbar
Abwartend, so sei die Stimmung in Uznach, sagt Ernst Dörig, der ehemalige Gemeindepräsident des Einrosenstädtchens. «Man hört noch recht wenig, alle warten auf die versprochenen Unterlagen.» Dörig schätzt, dass der Vereinigungsprozess nicht einfach vonstatten geht. «Innerhalb der vier Gemeinden prallen doch sehr unterschiedliche Mentalitäten aufeinander.» Es sei denkbar, dass verschiedene Nachbarn das Gefühl hätten, bei einer Fusion mehr hergeben zu müssen als die Uzner. Das anfängliche Buhlen von Schmerikon um Rapperswil-Jona als Heiratspartner dürften die Partnergemeinden dem Seedorf inzwischen aber verziehen haben, meint Dörig.
SP-Kantonsrat Josef Kofler aus Uznach sieht der Grundsatzabstimmung ziemlich optimistisch entgegen. Der Eindruck täusche, dass es schwieriger als anderswo werde. Persönlich nehme er in Uznach und Schmerikon vorwiegend positive Stimmen wahr vor allem bezüglich des ersten Schrittes der Fusionsprüfung. «Es stimmt nicht, dass alle Alteingesessenen gegen die Fusion sind.» Es sei aber normal, dass man eher die emotionalen und somit ablehnenden Voten höre.
Glaubt man den Worten von Geri Kühne, Benkner mit Leib und Seele, so stehen die Zeichen am Büchel nicht auf Fusion. Euphorie für die Gemeindevereinigung spüre er in der Bevölkerung keine im Gegenteil. «Es herrscht eine grosse Angst vor dem Identitätsverlust», das höre er an Versammlungen und Anlässen immer wieder. Da Benken der Kleinste im Viererbund wäre, wird befürchtet, man habe nichts mehr zu sagen. Natürlich gebe es auch Befürworter der Fusion, jüngere Bürger oder Neuzuzüger, die zugänglicher reagieren würden. Kühne ist sich aber sicher: «Die Emotionen werden diese Abstimmung entscheiden.»
Zürichsee-Zeitung
Marco Lügstenmann