Ich bin innerlich entsetzt, dass heute bei unseren Gemeindeammännern und Kantonsstrategen offenbar nur noch das Geldargument zählt, mit dem sie ihre BürgerInnen von der Notwendigkeit der Fusion von Eschenbach-St.Gallenkappel-Goldingen überzeugen wollen.

Diese Meinungsäusserung mache ich heute weder im Namen irgendeiner politischen Partei noch der kirchlichen Gemeinschaft, für die ich beruflich tätig bin. Meine Meinung ist ganz privat, vielleicht nicht mal besonders intellektuell, dafür umso mehr emotional gefärbt:

Man muss kein grosser Mathematiker sein, um festzustellen, dass der angebliche zukünftige Steuerfuss von 127%, der somit um 18% tiefer liegt als der von Eschenbach (der steuerstärksten Gemeinde des vorgesehenen Bundes!), in wenigen Jahren nach der Fusion wieder alte Dimensionen erreicht haben wird. Ich stufe diese Steuerfussprognose als faules Versprechen ein. Weiters gibt mir zu denken, dass unser allseits geschätzter und in Goldingen tief verwurzelter Gemeindeammann Daniel Gübeli ernsthaft annimmt, dass seine MitbürgerInnen für ein einmaliges Geschenk von 1600 CHF (übrigens auch eine Rechnung über den Daumen!) ihr Bürgerrecht an Eschenbach verkaufen. Und wenn wir schon vom Geld reden müssen in dieser Fusionsgeschichte … als ich mich im Jahr 1986 um das Bürgerrecht meiner damaligen Wohnortsgemeinde Mels bemühte, lagen die Kosten für das endgültige Bürgerrecht bei ca 5000 CHF!

Doch wir alle spüren, dass es da um mehr geht als um einen niedrigeren Steuerfuss …

Es geht um die Fragen:

*Möchten die Goldiger und Kappeler BürgerInnen alle freiwillig EschenbachnerInnen werden und damit künftige Generationen entwurzeln?

*Wollen sie – anstatt in einer gewachsenen Dorfstruktur – plötzlich in einer aufgezwungenen, städtisch geprägten Agglomeration wohnen?

*Wollen sie für jeden Behördengang (ich denke hier an die wachsende Zahl von weniger mobilen SeniorInnen in den Goldiger Aussenwachten wie Müsliegg, Chamm, Au, Juch, Gibel, Tann, Bannholz, aber auch an die exponiertesten Höfe von Walde und St.Gallenkappel) eine Halbtagesreise mit dem ÖV in Kauf nehmen?

*Wollen sie das tief verwurzelte Gefühl, in Goldingen oder Kappele daheim zu sein, gegen ein paar ersparte Steuerfranken (wenn überhaupt!?) eintauschen?

Ein Kollege aus Eschenbach meinte zu dem Thema: „Ich verstehe die Leute nicht mehr! Im Grossen sind alle gegen die EU, und im Kleinen machen wir genau das, was wir im Grossen ablehnen!?“

Ich selbst gebrauche zu diesem Thema auch immer ein Bild:

Es ist doch der Traum von uns allen, anstatt in einem anonymisierten Wohnblock in einem kleinen, aber eigenen Einfamilienhaus zu wohnen!?

Mit einer Fusion verlieren wir etwas, das nicht mit Geld aufzuwiegen ist! Wir verlieren das Gefühl, dort daheim zu sein, wo wir uns auch wirklich zu Hause und verwurzelt fühlen, aufgehoben in einer noch überschaubaren Dorfgemeinschaft!

Die Fusion bezeichne ich als unnötigen politischen Willkürakt mit unabsehbaren Folgen!

p.s.:Und noch ein Wort zu Herrn Michael Grimm und seiner so „objektiven“ Fusions-Berichterstattung: Herr Grimm, mit ihrem vor SVP-Hass triefenden Kommentar haben Sie sich selbst ein Goal geschossen. Wer wird dem, was Sie in Zukunft schreiben, noch Bedeutung beimessen?! „Objektive Berichterstattung“ ist für Sie nämlich ein Fremdwort! 

Lic.theol. Eck Hörhager, St.Gallenkappel