Höchste Zeit, dass sich nun auch die Fusions-Befürworter melden, denn das starke Auftreten der Gegnerschaft bereitete mir grosses Kopfzerbrechen! Dieses so emotionale Thema kann man nicht einfach den Contras überlassen, das wäre gegenüber all den Unschlüssigen unfair, ja sogar unverantwortlich. Nun kann ich aufatmend und für die Abstimmung vom 11. September meine bis anhin noch unsichere Meinungsrichtung durch die Befürworter klären lassen.
Ich bin nämlich auch für Einsparungen und das Schaffen von Synergien. Selbstverständlich begrüsse ich mit Wohlwollen den angekündigten Steuerfuss von 127%. Das ist Klimper-Musik für jedes Ohrenalter und wird wie angekündigt für viele Jahre so bleiben. Steuereinbussen bis 35% werden mit ausgeklügelten Synergien locker kompensiert.
Wunschlos glücklich und fast arbeitslos wird der/die neu gewählte Präsident/in dann sein, denn die Turnhallen-Vision wie auch der Bau eines neuen Feuerwehrdepots und der schon fast in Vergessenheit geratene zentrale Stützpunkt des Bauamtes wird für lange, sehr lange Zeit kein Thema mehr sein. Turnhallen und Feuerwehrdepots stehen eh schon in jedem Dorf und die Mitarbeiter des Bauamtes arbeiten effizienter von ihrem Wohnort aus. Personal hat er/sie ja im Überfluss, werden doch alle ca. 30 Verwaltungsmitarbeitenden der drei Gemeinden einen sicheren Job in der Gross-Gemeinde finden.
Kein Personalabbau und doch Lohneinsparungen, das ist ein Geniestreich dank der ausgeklügelten Zusammensetzung auf einem Platz, also alle Posten im Dreierpacket besetzt. Drei Säckelmeister oder drei Gemeindeschreiber werden es nun sein und jeder Verwaltungsposten hat nun einen Chef, einen Vize und eine Ferienablösung! Personal in Hülle und Fülle und jeder ist 100% ausgelastet.
Investitionen für Infrastruktur, Strassen, Wasser etc. wurden in allen Dörfern vorsorglich und weit vorausdenkend schon in den letzten Jahren verwirklicht und bei den Gebühren bleibt es in etwa gleich. Bürgerherkunft hin oder her, alle Anliegen werden gleich und effizient behandelt und für allfällige Referendumsanliegen braucht es nur gerade so an die 600 Unterschriften!! Gemeinderat-Mitgliederbesetzungen werden strickte auf die drei ehemaligen Gemeinden gleichermassen verteilt und nicht zuletzt der angeblich unwiderruflich grosszügige „Millionen-Zustupf“ des Kantons ist so sicher ist wie das Amen in der Kirche.
Ja liebe Contras, Gegner und Unschlüssige, was gibt es da den noch zu überlegen?
Aber HALT, das sind für mich erst Lippenbekenntnisse einer selbstsicheren Befürworter-Crew und auch die Abstimmungsunterlagen mit deren ausgiebig, ja schon fast ausschweifend positiv gerichteten Beurteilungen können mich immer noch nicht für diesen enormen Veränderungsprozess und meiner Ungewissheit überzeugen!
Und nicht Zuletzt noch eine brennende Frage die mich ganz besonders beschäftigt: Besteht überhaupt auch eine gesetzliche Grundlage, wo sich eine EX-Gemeinde wie z.B. Goldingen oder Chappälä nach Jahren der fusionsbedingten Unzufriedenheit wieder Selbständig machen kann?
Rolf Liechti-Kam
St.Gallenkappel